Zweiter DFG-Expertenworkshop in Leipzig, 11. Juni 2010
Der Projektverbund „KULAKon – Konstituierung von Kulturlandschaft“ kam am 11. Juni 2010 zu einem zweiten Expertenworkshop im Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) zusammen, um die bisher entwickelten Forschungsansätze sowie erste Ergebnisse zu beleuchten und kritisch zu überprüfen. Nach einer ersten Veranstaltung zu theoretischen Grundlagen der Kulturlandschaftsforschung im Frühjahr 2009 stand bei diesem Treffen die angewandte Seite der Forschungen im Vordergrund.
Zum Thema „KULAKon im Spiegel der Praxis“ diskutierten Projektleiter/innen, Projektbearbeiter/innen sowie einige Gäste mit vier eingeladenen Experten, die sich aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und angewandten Perspektiven mit Kulturlandschaft beschäftigen: Dr. Klaus Kleefeld (Büro für Historische Stadt- und Landschaftsforschung, Köln), Prof. Dr. Werner Nohl (Werkstatt für Landschafts- und Freiraumentwicklung, Kirchheim), Dr. Kim Pollermann (Johann Heinrich von Thünen-Institut, Institut für Ländliche Räume, Braunschweig) und Prof. Dr. Catrin Schmidt (Institut für Landschaftsarchitektur, Technische Universität Dresden).
In der Diskussion über methodische Vorgehensweisen wurde festgestellt, dass die Untersuchungen nicht nur „Kulturlandschaft“ betrachten dürfen, sondern auch „Landschaft“ einbeziehen müssen, da der Begriff „Kulturlandschaft“ im empirischen Material eine eher untergeordnete Rolle spiele; „Landschaft“ hingegen wird in allen Kontexten verwendet. Die Auswahl der Untersuchungsobjekte – Karten, Pläne, Dokumente – sowie Interviewaussagen wurden hinsichtlich ihrer Relevanz und Aussagekraft auf den Prüfstand gestellt. Ausdrücklich begrüßt wurde die Fokussierung auf die Akteure der untersuchten Prozesse, da es der Kulturlandschaftspraxis bisher an Akteursbezug mangele.
Erste Forschungsergebnisse in den Teilprojekten beziehen sich auf alltagsweltliche Konzepte von (Kultur-)Landschaft jenseits der kognitiven Wahrnehmung, auf die Typisierung von (Kultur-)Landschaftsverständnissen in kommunalen Landschaftsplänen, auf die Entstehung von kulturlandschaftlichen Handlungsräumen durch sektorale Institutionensysteme sowie auf „Kulturlandschaft“ als Element unterschiedlicher (Kultur-)Landschaftsdiskurse.
Übereinstimmung gab es in der Einschätzung der geladenen Experten, dass die Projektergebnisse der Praxis nicht vorenthalten werden sollten. Die KULAKon-Forscher/innen wurden deshalb ermutigt, den Austausch mit Praktikern zu suchen und ihre Ergebnisse zeitnah zu präsentieren.
Monika Micheel, IfL
DFG-Expertenworkshop in Erkner, 6. Februar 2009
Seit Ende 2008 befassen sich vier von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschungsprojekte des Leibniz-Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS), des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL), des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und der Technischen Universität Berlin in dem Projektverbund KULAKon mit der Thematik der Konstituierung von Kulturlandschaft. Die Forscher/innen analysieren, welche gesellschaftlichen Prozesse zu der Bezeichnung von Räumen als Kulturlandschaften und zu landschaftlichen Kooperationsprozessen führen. Dabei wird ein Perspektivwechsel gewagt: es stehen nicht landschaftsökologische oder kulturhistorische Grundlagen, sondern die gesellschaftliche Bedingtheit der Kulturlandschaft im Mittelpunkt.
Am 6. Februar 2009 trafen sich die Projektleiter/innen und Projektbearbeiter/innen sowie weitere interessierte Wissenschaftler/innen der raumwissenschaftlichen Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft sowie der TU Berlin in den Räumen des IRS in Erkner zu einem Expertenworkshop. Vier geladene Experten kommentierten die sozialwissenschaftlichen Forschungsansätze der Einzelprojekte und die gemeinsame Rahmenkonzeption im Rahmen einer intensiv geführten Diskussion. Geladene Experten waren Prof. Dr. Joachim Blatter (Professor für Politikwissenschaft an der Universität Luzern), Prof. Dr. Hans Heinrich Blotevogel (Professor für Raumordnung und Landesplanung an der Technischen Universität Dortmund und Präsident der ARL), Prof. Dr. Dr. Olaf Kühne (Ministerium für Umwelt des Saarlandes und außerplanmäßiger Professor für Geographie in Saarbrücken) und Dr. Tobias Chilla von der Universität Luxemburg (Géographie et Aménagement du Territoire).
Schwerpunktthemen dieses ersten von drei KULAKon-Expertenworkshops waren die theoretischen Hintergründe und Methodologien des 4R-Projektverbunds und der vier Einzelprojekte. Der KULAKon-Verbund geht davon aus, dass Kulturlandschaften nicht per se physisch-materiell gegeben sind, sondern vielmehr als Wahrnehmungs- und regionale Handlungsräume gesellschaftlich und individuell konstituiert werden. Folgerichtig standen auf dem Expertenworkshop regionale Diskurskoalitionen, sektorale Institutionensysteme, Governanceformen, Vorstellungsbilder und individuell-subjektive Konstruktionen im Fokus der Erörterungen. Gemeinsame Aufgaben für KULAKon ergeben sich, das hat die Diskussion mit den geladenen Experten gezeigt, u.a. in einer Einbettung der Forschung zur gesellschaftlichen Konstituierung von Kulturlandschaften in vorhandene Forschungslinien des Sozialkonstruktivismus sowie – auf einer abstrakteren Ebene – in der Formulierung von Bausteinen einer sozialwissenschaftlich fundierten „Theorie der Kulturlandschaft“ (Blotevogel). Bei der Erörterung der Rahmenkonzeption stand dementsprechend der Mehrwert der koordinierten Zusammenarbeit, der sich aus der Kombination fachspezifischer Besonderheiten ergibt, im Mittelpunkt. Die vier Einzelprojekte setzen noch bis 2011 eigene Schwerpunkte auf Institutionen und Governanceformen (IRS; Prof. Dr. Heiderose Kilper, Ludger Gailing), subjektive Konstruktionen der Kulturlandschaft (IfL; Dr. Sabine Tzschaschel, Dr. Monika Micheel), Diskurse in grenzüberschreitenden Räumen (IÖR; Dr. Markus Leibenath) und Kulturlandschaftsbilder in der Landschaftsplanung (TU Berlin; Prof. Dr. Stefan Heiland, Wera Wojtkiewicz).
Ludger Gailing, IRS
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16.09.2010
